Babyquilt nähen mit Faux-Paspel-Binding

Babyquilt nähen

In den letzten Monaten war das Thema Nähen in meinen Blogposts deutlich unterrepräsentiert. Dabei warten hier noch einige Nähprojekte darauf gezeigt zu werden. (Dass es hier überhaupt wieder viel zu still geworden ist, lassen wir mal unerwähnt. Leben 1.0 und so; das kennt ihr ja alle…)

Das Projekt das ich euch heute zeigen möchte, hatte eine ziemlich lange Geschichte von Idee und Planung über mehrere spontane Planänderungen bis zur Fertigstellung und wäre zwischendrin einmal fast in der Tonne gelandet. Dafür ist es jetzt jeden Tag fleißig im Gebrauch.

Babyquilt mit Faux-Paspel-Binding

Babyquilt

Quasi mit dem positiven Schwangerschaftstest in der Hand wusste ich, dass ich für den kleinen Zwerg in meinem Bauch einen Quilt bzw. eine Krabbeldecke nähen wollte. Nach Kleidung, Taschen, Wohnaccessoires etc. fehlte auf meiner Liste definitiv noch ein Quilt. Zwar habe ich ziemlich zu Beginn meiner Nähkarriere mal mit einer Freundin zusammen ein Babyquilt-Top genäht (das Fertigstellen der Decke hat sie dann übernommen) und auch sonst hier und da schon Patchwork genäht sowie Mug-Rugs und einen schmalen Läufer gequiltet. Aber eine richtige gequiltete Patchworkdecke mit allem was dazu gehört (Vorderseite, Wattierung, Rückseite und Einfassung bzw. Top, Batting, Backing und Binding) fehlte bisher noch. Allerdings stand diese Krabbeldecke nicht gerade oben auf der to-sew-Liste fürs Baby. Als dann irgendwann feststand, dass der Babyjunge ein Babyjunge wird bestellte ich bei der nächsten Stoffbestellung gleich noch ein paar Baumwollstoffe in blautönen und maritimen Mustern mit. Zusammen mit den grauen und türkisen Resten von Wickeltasche und Babynest sollten daraus mehr oder weniger nützliche Dinge fürs Babyzimmer werden. Und eben besagter Babyquilt.

Babyquilt mit Faux-Paspel-Binding

Auf Pinterest habe ich Ideen für ein Patchworkmuster gesammelt. Im Hinterkopf hatte ich dieses Muster, es erschien mir aber dann doch in Anbetracht der vorhandenen Zeit und Erfahrung als etwas zu schwierig. Also entschied ich mich für weiß abgesetzte Quadrate, wie bei diesem und diesem Quilt.

Babyquilt mit Faux-Paspel-Binding

Dann kam der Talu-Strick-Wettbewerb bei dem ich den ersten Preis und damit einen Buttinette-Gutschein über 30€ gewann. Davon habe ich mir unter anderem das Vlies für die Krabbeldecke und einen weißen Baumwollstoff für das Top bestellt. Für die Rückseite suchte ich kurzentschlossen einen reduzierten Baumwollstoff namens „Landkarte“ aus. Dann könnte die Rückseite der Krabbeldecke gleich noch als Autoteppich dienen. (Dass das Binding farblich zu beiden Seiten der Decke passen muss, habe ich in dem Moment natürlich nicht bedacht.)

Babyquilt mit Faux-Paspel-Binding

Als ich endlich dazu kam, die Decke zu nähen, fing der Babyjunge schon an, seine Spielzeuge für sich zu entdecken. Und am beliebtesten waren eindeutig die Sachen, die knallige Farben hatten. Rot, orange, dunkelblau. Und da der Rückseitenstoff sowieso rot und orange enthält, entschied ich mich über meinen eigenen Schatten zu springen und die Decke nicht nach meinem Geschmack, sondern nach dem des Babyjungen zu nähen. Neben den oben erwähnten türkisen und blauen Stoffen, kamen also auch rote, orange und sogar grüne Stoffe in den Quilt. Letztere aus dem nie endenden Stoffvorrat, der sich in den letzten Jahren angesammelt hat. Beim Zuschneiden und Anordnen der Quadrate war ich mehrmals kurz davor, doch zum ursprünglichen Plan zurückzukehren. (Und als mein Mann die ersten vier mühsam zusammengefügten Reihen mit „Die Decke wird aber wirklich bunt…“ kommentierte, war ich kurz davor das gesamte Projekt mitsamt Nahttrenner zu entsorgen.)

Babyquilt mit Faux-Paspel-Binding

Mit ein bisschen rechnen und probieren habe ich mich für 9×9 Quadrate á 10cm x 10cm entschieden. Die weißen Streifen dazwischen sind jeweils 3cm breit. Insgesamt hat das Quilt-Top eine Größe von 130 cm x 130 cm. Obwohl ich mich bemüht habe mit Quiltlineal und Rollschneider möglichst exakt zu arbeiten, kam der Nahttrenner ziemlich häufig zum Einsatz. Perfekt treffen die Quadrate leider trotzdem nicht aufeinander. Deshalb habe ich nur die horizontalen Linien durchgehend gequiltet und in der vertikalen nur die Kanten von jedem zweiten Quadrat.

Babyquilt mit Faux-Paspel-Binding

Das Sandwich habe ich übrigens mit Stecknadeln zusammengeheftet. Sollte ich nochmal einen Quilt nähen, werde ich hier definitiv auf Sicherheitsnadeln oder Sprühkleber umsteigen. Durch das Einrollen und Hin und Herschieben des Quilts unter der Nähmaschine haben sich die Nadeln nämlich immer wieder gelöst. Dadurch kam auch bei diesem Schritt der Nahttrenner wieder zum Einsatz, da ich hier und da kleine Fältchen eingenäht habe, obwohl ich immer von innen nach außen genäht und dabei den Obertransportfuß eingesetzt habe.

Faux-Paspel-Binding

Der letzte Schritt, das Binding, verfolgte mich während des ganzen Nähprozesses. Und immer wieder googelte ich nach verschiedenen Tutorials. Handnähen gehört nicht gerade zu meinen Lieblingsbeschäftigungen und wird so gut es geht vermieden – was immer mal wieder dazu führt, dass ich ein fertiges Teil stundenlang durch eine viel zu kleine Wendeöffnung pule. Außerdem war die Gefahr recht groß, dass die Decke zum Ufo würde und das Binding erst fertig, wenn der kleine Mann schon laufen kann. Also musste ich eine Möglichkeit finden das Binding mit der Nähmaschine anzubringen. Bei der üblichen Methode (wie z.B. hier beschrieben), hatte ich die Befürchtung, dass es nicht auf Anhieb wirklich ordentlich wird und der Nahttrenner wieder ran muss. Das zweite Problem war die Farbe des Bindings. Ursprünglich hatte ich es dunkelblau geplant. Das passte aber nicht zur Rückseite. Also kam eigentlich nur rot in Frage, die einzige Farbe, die sowohl zur Vorder- als auch zur Rückseite passte. Aber ich war mir ziemlich unsicher, ob ich das rot dann nicht zu dominant finden würde.

Babyquilt mit Faux-Paspel-Binding

Spontan suchte ich nach Möglichkeiten für ein zweifarbiges Binding und fand dieses Tutorial. (Für die dort „Susie’s Magic Binding“ genannte Methode, scheint es keine einheitliche Bezeichnung zu geben. Im englischsprachigen Raum findet man sie unter „(faux) flange binding“ oder „(faux) piped binding“.) Damit waren gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Ich hatte eine Möglichkeit, das Binding zweifarbig zu gestalten und außerdem eine Methode gefunden, mit der auch ein maschinengenähtes Binding auf Anhieb ordentlich wird (und zwar sogar ganz ohne Stecknadeln)!

Babyquilt mit Faux-Paspel-Binding

Babyquilt mit Faux-Paspel-Binding

Im Endeffekt hat mir das Annähen des Bindings tatsächlich am meisten Spaß gemacht. Eine richtige gute Laune-Beschäftigung an einem verregneten Samstagnachmittag.

Babyquilt mit Faux-Paspel-Binding

Und jetzt bildet die Krabbeldecke einen schönen bunten Farbtupfer im Wohnzimmer – und ich hätte Lust, gleich noch eine Decke zu nähen.

Liebe Grüße

Metti

Links: CreadienstagHandmade on Tuesday,

 Dienstagsdinge, Kiddikram,

 

 

2 Kommentare bei „Babyquilt nähen mit Faux-Paspel-Binding“

  1. Gut, dass du die Decke vollendet hast. Sie ist schön geworden und wird deinen Sohn hoffentlich lange begleiten.
    Danke für den Tipp mit dem Binding.
    Viele Grüße! Tina

  2. Dein Sohn sieht ja auf dem letzten Bild unglaublich herzig aus! Die Jeans, der Pulli und die Socken!Da kann man sich nicht so recht auf die Decke konzentrieren 😉

Ich freue mich über eure Kommentare und Anregungen!